BLOG · 2026-08-18
Wolfenstein (2009) — der Tag, an dem es ohne eine einzige Wertung im Regal stand
Heute ist Erscheinungstag #31 — 18. August 2009, Veröffentlichung in Nordamerika. Das letzte von Activision herausgegebene Wolfenstein war am Verkaufstag von kaum jemandem bewertet worden
18. August 2009: ein Regal ohne Wertungen
Hallo, hier ist Toki. Folge 31 von „Heute ist Erscheinungstag“. Was ich heute ausgegraben habe, ist Wolfenstein, am 18. August 2009 in Nordamerika veröffentlicht. Das ist heute genau 17 Jahre her.
Entwickelt von Raven Software, herausgegeben von Activision, für Windows, PlayStation 3 und Xbox 360. Australien bekam es am 19. August, Europa am 21. August — einige Tage versetzt. Die Engine ist eine erweiterte Fassung von id Softwares id Tech 4, ergänzt um Tiefenschärfe, weiche Schatten, diverse Post-Processing-Effekte und Havok-Physik.
Aus dem Vorschaubild von „Wolfenstein Video Review by GameSpot“ (YouTube)
Das Merkwürdige an diesem Tag lag nicht im Spiel, sondern davor, im Regal. Am 18. August, dem Verkaufstag, gab es kaum etwas darüber zu lesen.
Was für ein Spiel es war — den Schleier aufstoßen
Es spielt in der deutschen Stadt Isenstadt während des Zweiten Weltkriegs. Man steuert B. J. Blazkowicz, denselben Helden wie in Wolfenstein 3D (1992), auf der Spur der Kristalle, die die Nazis ausgraben — der „Nachtsonne“. Die Stadt selbst dient als Basis, von der aus man zu Einsätzen aufbricht.
Der zentrale Mechanismus ist der „Schleier“: die Grenze zwischen der Erde und einer anderen Dimension namens Schwarze Sonne, die Blazkowicz zeitweise aufstoßen kann. Drüben lässt sich die Zeit verlangsamen, um sonst unpassierbare Stellen zu durchqueren, lässt sich Unsichtbares sehen und geschirmten Gegnern der Schutz nehmen. Der Idee nach schließt das unmittelbar an das Dimensionswechseln von Prey (2006) an, das auf derselben id Tech 4 beruht.
Es war also ein Spiel, in dem geschossen wird — und gleichzeitig eines, das vor dem Schuss fragte, aus welcher der beiden Welten man schießen will. Den Mehrspielermodus übernahm Endrant Studios, angelegt auf Klassen.
Wie es damals aufgenommen wurde — der „keine Tests“-Artikel kam vor den Tests
Am Erscheinungstag, dem 18. August 2009, veröffentlichte TechCrunch kein Urteil über das Spiel, sondern einen Text des Inhalts, Wolfenstein sei heute erschienen und viel Glück beim Suchen nach Tests. Der Artikel hält fest, es sei „verdächtig, dass keine der anderen Seiten (IGN und dergleichen) einen Test hat“, und zitiert eine der wenigen aufgefundenen Stimmen: das „good, bloody fun“ des Guardian. Am ersten Tag wurde nicht die Wertung zur Nachricht, sondern deren Fehlen. Die Stimmung jenes Moments ist darin gut aufgehoben.
Die Urteile kamen in den folgenden Tagen. Kevin VanOrds Test bei GameSpot, datiert auf den 21. August, gibt 7,5/10: „fantastische Bosskämpfe“, „die Waffen machen Spaß“ — und dennoch wirkte das Ganze „einfach alt“, mit „einer Menge kleiner Probleme“, die „sich mit der Zeit summieren“, bis hin zum Verhalten der Türen und zur Setzung der Checkpoints.
Der Game Informer gab am 27. September 7,25/10 und formulierte es scharf: „Wellen vorhersehbarer Gegner in Korridoren abzuarbeiten ist keine Art, dem unbestrittenen Erbe dieser Serie im Genre die Ehre zu erweisen.“ Das britische Edge gab der PlayStation-3-Fassung 5/10; der Daily Telegraph 7/10 und nannte es „ein Spiel, dessen Qualität fast von Minute zu Minute heftig schwankt“; 411Mania 8/10; The A.V. Club ein C+. Die Streuung selbst war das Urteil.
Kommerziell lief es schwer: rund 100.000 Exemplare über alle Plattformen im ersten Monat. Activision reagierte mit Entlassungen bei Raven Software, und Endrant Studios, das den Mehrspielermodus gebaut hatte, schrumpfte nach Abschluss seiner Arbeit ebenfalls.
Aus dem Heute, 17 Jahre später
Oben eingebettet ist GameSpots Videokritik zum Spiel („Wolfenstein Video Review by GameSpot“, YouTube). In wenigen Minuten sieht man die Stadt Isenstadt und wie die Bildfarbe in dem Moment umschlägt, in dem sich der Schleier öffnet.
Dieses Spiel blieb das letzte Wolfenstein, das Activision herausgegeben hat. Es war zugleich der letzte Titel, dessen Veröffentlichung id Software noch als unabhängiges Unternehmen erlebte — die Übernahme von id durch ZeniMax Media lag nur zwei Monate zurück, im Juni 2009.
Die Serie wurde 2014 mit MachineGames' Wolfenstein: The New Order neu gestartet. Die Fassung von 2009 wurde im selben Jahr wegen Rechtsfragen zwischen Bethesda und Activision aus den digitalen Shops genommen und ist seither digital nicht mehr käuflich.
Man kann es also heute nicht herunterladen, um seinen 17. Jahrestag zu begehen. Man muss eine damalige Verkaufsschachtel suchen. Ein Spiel, zu dem am Erscheinungstag keine Tests zu lesen waren, ist 17 Jahre später selbst nicht mehr abrufbar. Eine merkwürdige Fügung, finde ich.
Zum Schluss
18. August 2009. Solange ich die Jahreszahl nicht hingeschrieben habe, fühlt sich ein Artikel für mich nie fertig an. Wolfenstein 3D 1992, Return to Castle Wolfenstein 2001, The New Order 2014 — und diese Veröffentlichung von 2009 liegt fast genau in der Mitte zwischen der ersten und der letzten.
Eine Schachtel zur Kasse tragen, wenn noch niemand eine Wertung veröffentlicht hat, allein nach dem Titelbild und dem Namen der Serie: Haben Sie auch so eine Kauferinnerung?
Bis morgen, zum nächsten Erscheinungstag.
Reactions (no login)
Anonymous • one of each per visitor per day
Read next
コメント(ログイン不要)
まだコメントはありません。最初のひとことをどうぞ。
