REVIEW · 2019-04-04

ISLANDERS

Die Ruhe gibt es nur am Eingang – bei 10.218 Kritiken und 95 % Zustimmung sind sich beide Seiten einig: Der Druck kommt von der Punkteschwelle zur nächsten Insel.

Steam-Seite ↗

Erster Eindruck

Zunächst die Zahlen. Die Shop-Seite zeigt 95 % positiv bei 10.218 Kritiken – „Überwältigend positiv“ – und in den letzten 30 Tagen 93 % bei 16 (Stand 2026-09-03). SteamDBs Auszählung über alle Sprachen kommt auf rund 16.000 bei 92,1 %. Auf Metacritic liegt die PC-Version bei 82 (6 Kritiken), der Nutzerwert bei 8,4 (41 Bewertungen). Das meistgenutzte Nutzer-Tag ist weder Puzzle noch Strategy, sondern Relaxing.

Die Kritik mit den meisten Stimmen, die ich unter den hilfreichsten gelesen habe (418 Stimmen, Juni 2020, 1,0 Stunden), war jedoch negativ. Sie besagt sinngemäß, das Spiel sei niedlich und wie ein Spielzeug, aber nach einer Stunde vorbei gewesen. Die meistgestimmte positive Kritik (412 Stimmen) sagt, man könne es spielen, während der Hund auf dem Schoß liegt. Beide erwähnen mit keinem Wort die Schwierigkeit des Spielfelds.

Beim Lesen von gut zwei Dutzend Kritiken zeigt sich: Die Ruhe ist nur eine Eigenschaft des Eingangs. Wer länger gespielt hat, sagt etwas anderes. Eine empfehlende japanischsprachige Kritik mit 58 Stunden (März 2025) empfiehlt das Spiel und schreibt zugleich, sobald man auf Punkte achte, sei von Ruhe nichts mehr übrig. Die lobende Seite nimmt hier ihr eigenes Werbeschild selbst wieder ab. Diesem Gefälle geht dieser Artikel nach.

Screenshot von ISLANDERS: das erste auf der Steam-Shop-Seite gezeigte BildISLANDERS im Spiel. Das erste auf der Steam-Shop-Seite gezeigte Bild (Steam-Screenshot)

Die Mechanik in Worten

Es gibt nur ein Verb: legen. Man setzt ein Gebäude aus dem eigenen Bestand auf die Insel. Punkte kommen davon, was rund um die gewählte Stelle liegt; ist eine Punktschwelle erreicht, wird der nächste Satz Gebäude ausgeteilt, und bei einer weiteren Schwelle wechselt man zur nächsten Insel. Das ist die gesamte Eingabe der Spielerin oder des Spielers. Es gibt weder Abriss noch Zeitvorlauf noch Rückgängig.

Die Kritiken benennen diese Struktur nicht mit den Worten des Shops, sondern mit eigenen. In den hilfreichsten englischsprachigen Kritiken tauchen Formulierungen wie „SimCity plus Tetris“ oder „rundenbasiertes Tetris“ auf. Die japanischsprachigen sprechen ebenso von „Lücken füllen wie bei Tetris“ oder davon, dass hier der Puzzle-Anteil größer sei als der Städtebau-Anteil. Auf Japanisch und Englisch entsteht unabhängig voneinander dieselbe Umbenennung.

Übersetzt in Design-Vokabular heißt diese Umbenennung: Die Gebäude laufen nicht. Es gibt keine Einwohner, keine Produktion, keine Uhr. Ein Gebäude existiert nur als Koeffizient für Nachbarschaft. Die Beobachtungsauflösung dieses Spiels ist also nicht auf „Stadt“ abgestimmt, sondern auf „Abstand auf dem Spielfeld“. Eine japanischsprachige Kritik nennt es treffend ein „Wünschelruten-Spiel“ – die Aufgabe der Spielerin oder des Spielers besteht ausschließlich darin, den einen besten Punkt zu finden.

Screenshot von ISLANDERS: das zweite auf der Steam-Shop-Seite gezeigte BildISLANDERS im Spiel. Das zweite auf der Steam-Shop-Seite gezeigte Bild (Steam-Screenshot)

Design durch Subtraktion

Der Shop-Beschreibungstext stellt sich selbst über das vor, was fehlt: kein Ressourcenmanagement, keine Lootboxen, keine Mikrotransaktionen, kein Mehrspielermodus, keine filmische Geschichte. Das dreiköpfige Entwicklerteam übergibt einem zuerst die Liste der Streichungen. Das Spiel stellt sich nicht durch das vor, was hinzugefügt wurde, sondern durch das, was abgezogen wurde.

Auch der Wortschatz der Kritiken ist voll von diesen Abwesenheiten. Die positive Seite schreibt: kein Scheitern, also entspannt; kein Ziel, also frei; kein Rückgängig, also befreit vom Perfektionismus. Ein Fachartikel machte denselben Punkt: Weil man es nicht zurücknehmen kann, lernt man, mit der eigenen Entscheidung zu leben. Die negative Seite schreibt: keine Tiefe, keine Einwohner, kein Ziel, und keine Möglichkeit, die gebaute Insel später noch einmal zu betrachten.

Positive und negative Seite stimmen also fast vollständig in der Liste der Abwesenheiten überein und unterscheiden sich nur im Vorzeichen. Das fehlende Rückgängig ist der klarste Fall: Die eine Seite liest es als zusätzliches Gewicht auf jedem Zug, die andere als Unfähigkeit, sich von einem schlechten Zufall zu erholen (Die Ethik von Undo — Vergebung oder Strafe). Subtraktion ist niemals neutral. Über die Bewertung entscheidet nicht die Streichung selbst, sondern das, was in die entstandene Lücke gegossen wird. Hier ist das die Punktzahl.

Screenshot von ISLANDERS: das dritte auf der Steam-Shop-Seite gezeigte BildISLANDERS im Spiel. Das dritte auf der Steam-Shop-Seite gezeigte Bild (Steam-Screenshot)

Die Textur der Schwierigkeit

Dieses Spiel kennt keine Sackgasse. Es kennt Erschöpfung. Erreicht man die nächste Schwelle nicht, bevor die zugeteilten Gebäude aufgebraucht sind, endet der Durchgang dort. Nicht das Spielfeld erklärt einen Zug für falsch – der eigene Bestand geht einfach vorher aus. Die Niederlage ist als Vorratsmesser konstruiert, nicht als Urteil.

Beide Seiten stimmen darin überein, dass dieser Mechanismus existiert, und unterscheiden sich nur im Namen dafür. Eine der hilfreichsten negativen Kritiken (November 2020, 2,6 Stunden) schreibt, die Werbung mit „geringer Stress“ sei ungenau – tatsächlich handle es sich um rundenbasierte Strategie mit Punkteschwellen, und wer zurückfalle, gerate in einen Soft-Lock. Eine langspielende positive Stimme beschreibt von der anderen Seite dasselbe Phänomen: Sobald man auf Punkte achte, sei von Ruhe nichts mehr übrig. Eine weitere japanischsprachige Kritik bringt es knapp auf den Punkt: Ignoriert man die Regeln, ist das Spiel vorbei.

Als Design betrachtet ist die Schwierigkeit vom Spielfeld auf die Bedingung zum Weiterspielen verschoben worden. Es gibt nicht pro Zug ein Richtig oder Falsch, sondern man verwaltet fortlaufend einen Vorratsmesser, damit er nicht leerläuft. Deshalb lautet der Eindruck nicht „schwer“, sondern „keine Verschnaufpause“. Von hier kommt auch die Beschwerde, dass das Scheitern schwer zu erkennen ist (Lesbares Scheitern — Wie man die „Sackgasse“ eines Puzzles sichtbar macht). Das Ende kommt nicht als Warnung, sondern als stille Erschöpfung.

Da Inseln und Gebäudesätze prozedural erzeugt werden, kommt es auch zu schlecht passenden Kombinationen. Eine negative Kritik mit 21,2 Stunden (Dezember 2025) schreibt, ein Gebäudesatz habe einfach nicht zu den Ressourcen der Insel gepasst und den Durchgang beendet, und nennt außerdem, dass man nicht heranzoomen könne und die Platzierung pixelgenaue Präzision verlange (Handgebaut oder generiert — Eine Designtheorie zur prozeduralen Erzeugung von Puzzle-Leveln). Die Streuung des Erzeugten macht es unklar, ob die Ursache der Niederlage bei einem selbst liegt.

Screenshot von ISLANDERS: das vierte auf der Steam-Shop-Seite gezeigte BildISLANDERS im Spiel. Das vierte auf der Steam-Shop-Seite gezeigte Bild (Steam-Screenshot)

Herkunft und Einordnung

In die Ahnenreihe der Städtebauspiele gestellt, wirkt dieses Spiel wie ein konsequenter Akt der Subtraktion. In die Ahnenreihe der Punkte-Puzzles gestellt, wirkt es schlicht und klassisch. Die Reihenfolge der Nutzer-Tags spiegelt diese Doppelheit direkt: Relaxing an erster Stelle, dann City Builder und Strategy, Puzzle erst an fünfter Stelle.

Am deutlichsten wird das im Vergleich mit Dorfromantik. Auch dort entscheidet die Platzierung einer einzelnen Kachel über die Punkte, aber das Ende ist dort viel sanfter. Mini Metro ist das Gegenteil: Der Kollaps rollt sichtbar heran. Das Ende von ISLANDERS ist keines von beiden – das Spielfeld bleibt ruhig, nur der Bestand geht aus. Nebeneinandergestellt zeigen die drei, wie viele Möglichkeiten ein Punkte-Puzzle bei der Form seiner Niederlage hat.

Zur Vollständigkeit: Die Fortsetzung ISLANDERS: New Shores erschien am 2025-07-10. Sie kam heraus, nachdem die Rezeption dieses Spiels sich schon gesetzt hatte, und dieser Artikel liest ausschließlich den Kritikenpool des Originals. Keine der 40 von mir gelesenen Kritiken erwähnt die Fortsetzung.

Screenshot von ISLANDERS: das fünfte auf der Steam-Shop-Seite gezeigte BildISLANDERS im Spiel. Das fünfte auf der Steam-Shop-Seite gezeigte Bild (Steam-Screenshot)

Ausgewertete Kritiken

Dieser Artikel entstand aus den Nutzerkritiken auf der Steam-Shop-Seite, Stand 2026-09-03.

Steam: ISLANDERS (95 % positiv von 10.218, „Überwältigend positiv“; letzte 30 Tage 93 % von 16)

SteamDB zählt über alle Sprachen rund 16.000 Kritiken bei 92,1 %; da die Shop-Anzeige im Wesentlichen die englischsprachigen Zahlen abbildet, werden beide genannt.

・Vollständig gelesen: die zehn hilfreichsten positiven, die zehn hilfreichsten negativen, die zehn neuesten und die zehn hilfreichsten japanischsprachigen Kritiken (insgesamt 40).

Metacritic (PC): 82 (6 Kritiken) / Nutzerwert 8,4 (41 Bewertungen).

・Alle Bilder sind Screenshots von der Steam-Shop-Seite; die URLs wurden als abrufbar bestätigt. Da die Bilddateien selbst in dieser Arbeitsumgebung nicht geladen werden konnten, geben die Bildunterschriften nur die Reihenfolge der Shop-Seite an und machen keine Aussage über den Inhalt.

Fazit

Ich vergebe 7,6, niedriger als Steams 95 %. Der Grund ist, dass die Gesamtzahl den Eingang bewertet, während ich mir die Bedingung für das Weiterspielen ansehe. Die Spielzeiten der hilfreichsten Kritiken häufen sich zwischen 0,4 und 11,2 Stunden; Stimmen von Menschen mit 80 oder 380 Stunden erhalten kaum Zustimmung. Erfasst wird die Stimmung der ersten paar Stunden.

Wem es passt, ist klar. Wer am Ende des Tages nur zwanzig Minuten spielen will, oder wer gern die Kompatibilität von Nachbarschaften austüftelt, dem passt es sehr gut. Wer eine lebende Stadt sehen will oder gern mit Rückgängig nachdenkt, dem nicht. Das Tag Relaxing ist keine Lüge, braucht aber eine Fußnote: Je tiefer man eindringt, desto weniger trifft es zu. Das Schild hängt nur am Eingang.

Als Werk der Subtraktion ist es bewundernswert, dass nach dem vollständigen Streichen nur ein einziges Verb übrig blieb: legen. Doch weil die einzige Belohnung hinter diesem Verb eine Zahl ist, zeigt sich der Boden schon zwischen fünf und zehn Stunden. Dass viele Kritiken genau zu diesem Zeitpunkt geschrieben wurden, ist wohl kein Zufall. Die Gesamtzahl konserviert die Stimmung genau dieses Augenblicks.

Screenshot von ISLANDERS: das sechste auf der Steam-Shop-Seite gezeigte BildISLANDERS im Spiel. Das sechste auf der Steam-Shop-Seite gezeigte Bild (Steam-Screenshot)

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