REVIEW · 2012-11-19

Scribblenauts Unlimited

Die einen benoten das getippte Wort, die anderen die Enge des Lösungsschlüssels — 5.347 Rezensionen gelesen

Steam-Seite ↗

Erste Eindrücke

Reiht man die meistgeholfenen positiven Rezensionen aneinander, überrascht zuerst, wovon sie handeln: fast durchweg Berichte darüber, was die schreibende Person eingegeben hat. Eine Schrotflinte löst neunzig Prozent der Probleme. Eine Katana hat die Operation gerettet. Eine Katze mit Jetpack hat die Klippe überwunden. Jede dieser Rezensionen sammelt Hunderte Stimmen.

Auffällig ist: Über das Spielbrett selbst steht darin keine einzige Zeile. Welches Level, welche Anordnung, wie sie gelesen wurde – nichts davon wird erwähnt. Was dort steht, ist einzig das eine Wort aus dem eigenen Wortschatz und die Kuriosität, die es ausgelöst hat.

Die Rezension mit den meisten „Hilfreich"-Stimmen überhaupt, positiv wie negativ zusammengenommen, steht dagegen auf der Ablehnungsseite. Für Erwachsene zu simpel. Es wiederholt sich nur dieselbe Botengang-Form. Kreativität sei doch das Verkaufsargument, und trotzdem werde kreatives Lösen nicht belohnt, heißt es dort.

In diesem Rezensionsfeld benotet die zustimmende Seite also das Eingabefeld, die ablehnende das Lösungsfeld. Es sieht aus, als würden beide Seiten zwei verschiedene Produkte bewerten, die zufällig in derselben Schachtel stecken. Diesem Riss folge ich beim Lesen des Rezensionsbestands.

Screenshot von Scribblenauts UnlimitedScribblenauts Unlimited — Steam-Store-Screenshot Nr. 1

Die Mechanik in Worten gefasst

Das System ist denkbar einfach. Man öffnet das Notizbuch, tippt ein Substantiv, und das Ding erscheint vor einem. Fügt man ein Adjektiv hinzu, wird es rot, riesig oder brennend. Danach greift man es und trägt es zu jemandem, der in Not ist.

Bemerkenswert ist, dass allein die Substantive wachsen. Die Verben bleiben bei etwa dreien: herbeirufen, anbringen, übergeben. Das Wörterbuch ist unendlich groß, und trotzdem kann jedes herbeigerufene Ding erstaunlich wenig.

Auf dieser Seite haben wir die Praxis, durch das Streichen von Verben Tiefe zu gewinnen, Subtraktives Design genannt. Dieses Werk kehrt das Prinzip um. Die Verben bleiben unangetastet, während allein die Substantive explodieren.

Die kombinatorische Explosion findet dadurch nur am Eingang statt. Die Prüfung dagegen sieht sich nur eine Handvoll Eigenschaften an: Fliegt es? Schneidet es? Ein weiter Eingang, ein enger Ausgang. Die positiven Rezensionen stehen an der ersten Tür, die negativen an der zweiten.

Screenshot von Scribblenauts UnlimitedScribblenauts Unlimited — Steam-Store-Screenshot Nr. 2

Das Gefühl der Schwierigkeit

„Die Antworten haben keinen Spielraum." So lautet der meistgeholfene Satz unter den japanischen negativen Rezensionen. Dieselbe Person schreibt auch, das Spiel sei zu einem Rätselraten geworden, bei dem man die vorgesehene Lösung erraten müsse. Die englischsprachige Ablehnung sagt dasselbe anders: Das Spiel nenne sich unlimited und akzeptiere dann doch nur etwa drei Dinge.

Interessant ist, wie sich diese Enge im japanischen Rezensionsbestand in einen ganz anderen Wert verwandelt. Es sei gutes Englischtraining. Mit dem Wörterbuch in der Hand mache es Spaß. Man lerne dabei Rechtschreibung. Die Schwierigkeit liegt hier nicht auf dem Spielbrett, sondern im Wortschatz der spielenden Person.

Auch die Autovervollständigung kommt zur Sprache. Sie sei so klug, dass ungenaues Tippen nicht durchgehe – das Wörterbuch steht also auch schon am Eingang als Mauer. Eine japanische Rezension gibt offen zu, dass gegen Ende der eigene Wortschatz ausging und man immer wieder auf dieselben wenigen Wörter zurückgriff.

Als Schwierigkeitsdesign ist das eine ungewöhnliche Form. Das Spielbrett bleibt bewusst leicht, und das Steckenbleiben wird nach außerhalb des Spiels ausgelagert – an die eigene Sprache und das Wörterbuch. So können „viel zu einfach" und „das Englisch ist schwer" im selben Rezensionsbestand nebeneinander bestehen.

Screenshot von Scribblenauts UnlimitedScribblenauts Unlimited — Steam-Store-Screenshot Nr. 3

Handwerkliche Kniffe im Design

Waren die Gestaltenden also einfach nachlässig? Ich glaube eher das Gegenteil. Das Spiel steckt voller Mechanismen, die die Antwort auf eine einzige zusammenziehen.

Der eine ist das Notizbuch samt Fortschrittstafel. Es hält fest, was schon versucht wurde und was noch fehlt, und gibt Hinweise. Eine negative Rezension schreibt, dadurch würden die Rätsel zur „Dateneingabe". Ein Hinweis löst den Stillstand auf und verkürzt zugleich die Suche.

Der andere ist, dass jede Anforderung als Satz erscheint: „Ich habe Hunger", „Ich will da hochkommen". Weil die Forderung in Worten formuliert ist, lässt sich auch die Antwort in Worten geben, ohne das Brett je lesen zu müssen.

Der veröffentlichten Dokumentation zufolge hat dieser Teil das Budget-Limit für die Anzahl der Objekte abgeschafft und erlaubt bis zu sechzig gleichzeitig. Mehrere Rezensionen bedauern zudem, dass die Actionpassagen der Handheld-Vorgänger fehlen. Gestrichen wurde offenbar nicht ein Verb, sondern der Raum zum Scheitern.

Screenshot von Scribblenauts UnlimitedScribblenauts Unlimited — Steam-Store-Screenshot Nr. 4

Herangezogene Rezensionen

Dieser Artikel wurde anhand der Steam-Store-Seite und der Nutzerrezensionen der Steam Community verfasst, Stand 2026-08-26.

・Steam: Scribblenauts Unlimited (Label „Sehr positiv"; 93 % von 5.347 Rezensionen positiv, in den letzten 30 Tagen 92 % von 27)

・SteamDB (sprachübergreifend rund 12.000 Rezensionen, 91,4 % positiv) und Metacritic (PC: 75 von 14 Kritikern, Nutzerwertung 7,7 aus 149 Bewertungen)

・Gelesen: die 10 meistgeholfenen positiven Rezensionen, die 10 meistgeholfenen negativen, die 10 aktuellsten sowie die 10 bestbewerteten japanischsprachigen Rezensionen. Hintergrundangaben wurden anhand des Wikipedia-Artikels geprüft.

・Die Abbildungen im Text sind Screenshots von der Steam-Store-Seite. Diese Sitzung konnte das Bild-CDN nicht direkt erreichen, sodass der Inhalt nicht visuell geprüft werden konnte; die Bildunterschriften geben daher nur die Reihenfolge der Store-Auflistung wieder, ohne den Inhalt zu beschreiben.

Fazit

Die Zahlen im Überblick. Stand 2026-08-26 lautet Steams Label „Sehr positiv": 93 % von 5.347 Rezensionen positiv, in den letzten 30 Tagen 92 % von 27. Sprachübergreifend liegt SteamDB bei rund 12.000 Rezensionen und 91,4 %. Kritiker: Metacritic 75 (14 Kritiken), Nutzerwertung 7,7 (149 Bewertungen).

Ich vergebe 6,8. Das liegt unter den 93 %, und der Grund ist einfach: Ich bewerte den Ausgang. Die Freude am Eingang – man tippt irgendetwas, und etwas geschieht – ist echt, und darin haben die 93 % recht, nicht ich.

Auch andere Werke verkaufen die Breite ihres Lösungsraums. Mosa Lina übernimmt die Verantwortung für diese Breite, indem es von vornherein ankündigt, dass manche Bretter unlösbar sind. Dieses Werk macht keine solche Ansage und verbindet einen weiten Eingang mit einem engen Ausgang über einen sehr kurzen Flur.

Wem das liegt, ist klar: wer Freude daran hat, sich Wörter auszudenken, wer den eigenen englischen Wortschatz erweitern will, wer neben einem Kind sitzt und mitspielt. Nicht dafür gemacht ist, wer die Stunden kaufen wollte, die man mit dem Lesen eines Bretts nach seinem einen richtigen Zug verbringt. Das ist kein Versagen des Designs, sondern eine Frage der Reichweite.

Screenshot von Scribblenauts UnlimitedScribblenauts Unlimited — Steam-Store-Screenshot Nr. 5

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