REVIEW · 2019-04-02

The 7th Guest: 25th Anniversary Edition

Das Haus ist geblieben, die Rätsel nicht. Eine Lektüre eines Rezensionspools, in dem keine Seite die Rätsel verteidigt

Steam-Seite ↗

Erster Eindruck

Die Steam-Seite zeigt Größtenteils positiv: 77 Prozent von 263 Rezensionen (Stand 2026-09-18). Über alle Sprachen und ohne Kauffilter gezählt sind es 216 von 280, ebenfalls 77 Prozent. Für die Neuauflage eines Meilensteins aus dem Jahr 1993 wirkt das unauffällig.

Liest man die beiden Seiten jedoch nebeneinander, treffen sie sich nicht. Was die positive Seite lobt und was die negative Seite angreift, ist nicht derselbe Gegenstand.

Die am höchsten bewertete negative Rezension mit 277 Stimmen berichtet, dies sei die mobile Fassung von vor einigen Jahren, mit wenig Änderungen auf den PC übertragen: Einbrüche auf 15 fps, grobe hochskalierte Schauspieler, Abstürze beim Laden eines Spielstands. Jede Zeile davon betrifft das Paket von 2019.

Die bestbewerteten positiven Rezensionen handeln dagegen vom Herrenhaus aus dem Jahr 1993, dem bahnbrechenden FMV-Horror, der Musik, der ersten CD-ROM, die manche je besessen haben. Und keine der beiden Seiten verteidigt die Rätsel. Genau dort sollte diese Rezension ansetzen.

Screenshot von The 7th Guest: Bild 1 der Steam-ShopseiteThe 7th Guest im Spiel, Screenshot 1 wie auf der Steam-Shopseite gelistet (Steam-Screenshot)

Die Mechaniken in Worte fassen

Dieses Spiel hat kein Verb, das sich durchzieht. Man geht durch das Haus, tritt in ein Zimmer, löst, was dort aufgestellt wurde, und das war es. Der Inhalt: ein Reversi-Brett auf einem Mikroskop-Objektträger, ein Schachproblem, ein Kuchen zum Aufteilen, Labyrinthe, Buchstaben, die man durch ein Fernrohr sucht. Bereits existierende abstrakte Rätsel, je eines pro Zimmer platziert.

Die Rätsel sind also selbst auch Gäste. Sie wurden hereingebeten und hingesetzt; sie sind nicht aus der Grammatik des Hauses gewachsen. In der Linie von Escape Room und Rätselbox setzen sich die Fiktion eines Raums und die Logik seiner Vorrichtung normalerweise fort. Hier ist diese Nahtstelle durchtrennt.

Die Lernkurve setzt sich daher an jeder Tür neu auf null. Nichts, was man im letzten Zimmer herausgefunden hat, gilt im nächsten. Die Formulierung der positiven Seite, halb Clue, halb Myst, ist gleichzeitig ein Kompliment und eine genaue strukturelle Beschreibung.

In Puzzlebyrinth-Begriffen ist das Sammlung, nicht Subtraktion. Statt die Liste der Verben zu verkürzen und tiefer zu graben, sammelt das Spiel fertige Rätsel und reiht sie auf. Die einundzwanzig Vorrichtungen kommen einundzwanzig separaten kleinen Spielen näher als einem Ganzen.

Screenshot von The 7th Guest: Bild 2 der Steam-ShopseiteThe 7th Guest im Spiel, Screenshot 2 wie auf der Steam-Shopseite gelistet (Steam-Screenshot)

Die Textur der Schwierigkeit

Die von den Rezensionen genannten Hürden konzentrieren sich auf wenige Stellen: das Mikroskop-Brett, das Rezensenten Reversi nennen, ein Problem, das Schachkenntnisse voraussetzt, und das Messer mit dem Kuchen. Berichte, dort steckengeblieben zu sein, stehen auf beiden Seiten.

Aufschlussreich ist, wie die positive Seite es formuliert: witzig und klug, bis hin zu den schwierigen Rätseln, und trotzdem ein Daumen nach oben. Die Menge an Schwierigkeit steht nicht in Frage. Die Qualität des Steckenbleibens schon.

Die negative Seite setzt Worte darauf: Das sei Ausprobieren, keine Deduktion. Eine Rezension nennt die späteren Rätsel gleichzeitig sehr schwierig und schlampig verarbeitet. Die alte Beschwerde, dass ein zufällig verteiltes Bilderrätsel eine unlösbare Anordnung ergeben kann, wird noch heute geschrieben.

Das Haus bietet allerdings eine Umgehung: Das Buch in der Bibliothek antwortet dreimal pro Rätsel, danach löst es die Sache einfach für einen. Die Schwierigkeit wird hier nicht feinjustiert, sondern es wird stattdessen eine Seitentür eingebaut. Grob, aber nicht verborgen.

Screenshot von The 7th Guest: Bild 3 der Steam-ShopseiteThe 7th Guest im Spiel, Screenshot 3 wie auf der Steam-Shopseite gelistet (Steam-Screenshot)

Die Welt

Was kauft die positive Seite dann? Das Herrenhaus. Gefilmte Schauspieler, in vorgerenderte Räume hineinkomposit, die Vergangenheit der sechs Gäste, die in Fragmenten wieder abläuft. 1993 hatte das niemand gesehen.

Das positive Vokabular ist bemerkenswert einheitlich: Atmosphäre, die Musik, ein Relikt der Neunziger, Erinnerung. Die aufgezeichneten Spielzeiten bündeln sich um 400 bis 650 Minuten, die meisten dieser Leute sind also klagend bis zum Ende durch das Haus gelaufen.

Das negative Vokabular ist ebenso einheitlich, zeigt aber woanders hin: 15 fps, ein Vergrößerungsfilter, der wie ein seltsames Ölbild wirkt, Zeilensprungartefakte auf den Schauspielern, die entfernte Karte, Klicks, die daneben gehen. Jeder einzelne Punkt ist eine Beschwerde über die Abspielmaschine, nicht über das Haus.

Das ist also nicht ein Merkmal, das zweimal gelesen wird. Die beiden Seiten bewerten zwei verschiedene Gegenstände. Die 77 Prozent sind weniger eine Zustimmungsquote als eine Quote dafür, wofür die Leute überhaupt gekommen sind.

Screenshot von The 7th Guest: Bild 4 der Steam-ShopseiteThe 7th Guest im Spiel, Screenshot 4 wie auf der Steam-Shopseite gelistet (Steam-Screenshot)

Konsultierte Rezensionen

Diese Rezension wurde anhand der Steam-Shopseite und der Steam-Rezensions-API zum Stand 2026-09-18 verfasst.

Steam: The 7th Guest: 25th Anniversary Edition (Shopanzeige: 77 Prozent von 263 Rezensionen, Größtenteils positiv; alle Sprachen ohne Kauffilter, 216 von 280 = 77 Prozent)

・45 Rezensionen vollständig gelesen: die nach Hilfreichkeit besten 20 positiven und 15 negativen, plus die 10 neuesten. Die jüngsten Rezensionen enden im Frühjahr 2024, der Pool bewegt sich also nicht mehr.

・Der Abspann von 1993, Verkaufszahlen und das Hinweissystem der Bibliothek (drei Abrufe pro Rätsel, danach automatische Lösung) wurden über Wikipedia überprüft.

・Auch die Shopseite von The 7th Guest Remake (Vertigo Games / Exkee, 3. Juni 2026) wurde konsultiert (86 Prozent von 241 Rezensionen).

・Die Bilder sind die von Steams appdetails-API zurückgegebenen Screenshot-URLs, unverändert übernommen. Diese Umgebung konnte die Bilddateien selbst nicht herunterladen; die Bildunterschriften behaupten daher bewusst nicht, was zu sehen ist.

Fazit

Ich gebe 6,5, unter den 77 Prozent von Steam. Der Abzug betrifft nicht die Portierung. Er liegt daran, dass die Rätsel nicht aus dem Haus herauswachsen. Die Räume sind wunderbar; dass Räume und Vorrichtungen nichts miteinander zu tun haben, ist die Design-Schwäche.

Die in den Rezensionen berichteten Spielzeiten streuen zwischen 6 und 11 Stunden, wobei sich Komplettierungen bei 7 bis 8 Stunden bündeln. Ich habe die Schwierigkeit auf Schwer gesetzt, weil die Hürden wenige und konzentriert sind und das Bibliotheksbuch einen darüber hinweg trägt.

Eine aktuelle Entwicklung gehört hierher: Am 3. Juni 2026 erschien ein von Grund auf neues Remake von Vertigo Games und Exkee auf Steam. Dessen Shopseite gibt an, die Darbietungen seien volumetrisch in 3D erfasst worden, und jedes Rätsel sei von Grund auf neu gebaut. Es steht bei 86 Prozent von 241 Rezensionen.

Was die Macher des Remakes bewahrt haben, ist das Haus samt seinen Gästen; was sie verworfen haben, sind die Rätsel. Das ist ein Urteil darüber, wo das Werk eigentlich lebt. Es zeigt in die entgegengesetzte Richtung wie die Ausgabe von Myst aus dem Jahr 2021, die die Insel samt ihren Rätseln gemeinsam übernommen hat.

Wer sehen möchte, was 1993 passiert ist, für den ist diese Ausgabe noch einen Abend wert. Wer sie als Design-Lektion spielt, kann genau eine Sache mitnehmen: Räume bereitzustellen erzeugt für sich allein noch keine Grammatik. Das ist keine billige Lektion.

Screenshot von The 7th Guest: Bild 5 der Steam-ShopseiteThe 7th Guest im Spiel, Screenshot 5 wie auf der Steam-Shopseite gelistet (Steam-Screenshot)

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