BLOG · 2026-09-05

LocoRoco (2006) — gekippt wird der Boden, nicht die Figur. Der Vorschlag wurde zweimal abgelehnt

Heute ist Erscheinungstag #48 — 5. September 2006, die nordamerikanische Veröffentlichung

5. September 2006 in Nordamerika. Bewegt wird der Boden, nicht die Figur

Hallo, hier ist Toki. Folge 48 von „Heute ist Erscheinungstag“. Das heutige Spiel ist ein Actionspiel, in dem man die Hauptfigur gar nicht bewegen kann.Vorschaubild des PSP-Trailers zu LocoRocoAus dem Vorschaubild von „LocoRoco Sony PSP Trailer - Japanese Trailer“ (IGN, YouTube)

LocoRoco. Entwickelt von Sonys Japan Studio, veröffentlicht von Sony Computer Entertainment, für die PSP (PlayStation Portable).

Die Erscheinungstermine liegen weit auseinander. Europa am 23. Juni 2006, Australien am 29. Juni, Japan am 13. Juli. Und Nordamerika am 5. September 2006.

Die japanische Fassung erschien am 13. Juli bei SCEJ für 5.040 Yen. Die nordamerikanische stand heute vor genau zwanzig Jahren im Regal.

L und R kippen den Planeten. Das Rollen kommt danach

Was die Spielerin anfasst, ist nicht das runde gelbe Wesen. Es ist der Boden.

L drücken, und die Welt neigt sich nach links. R drücken, nach rechts. Die LocoRoco rollen den Hang von selbst hinunter. Beide Schultertasten halten und loslassen heißt springen. Mehr ist die Steuerung nicht.

Frisst ein LocoRoco eine rote Beere, werden es mehr — bis zu zwanzig, verschmolzen zu einem großen Klumpen. Die Kreis-Taste teilt sie in einzelne Wesen, klein genug für enge Gänge. Danach fügen sie sich wieder zusammen.

Das Schlaue ist die Musik. Je mehr LocoRoco, desto mehr Gesangsstimmen legen sich übereinander. Eines singt dünn, zwanzig singen im Chor.

Fünf Welten mit je acht Leveln; die Unterlagen von damals sprechen von „mehr als 40 Stages“. Dazu kamen zwei Minispiele und ein Editor für eigene Strecken.Vorschaubild des Trailers zu LocoRoco RemasteredAus dem Vorschaubild von „LocoRoco Remastered - Launch Trailer [PS4]“ (PlayStation DACH, YouTube)

Angefangen hat es mit einer Kritzelei im Zug. Der Vorschlag wurde zweimal abgelehnt

Die Idee stammt von Regisseur Tsutomu Kouno. Nach seiner Arbeit an Ico kam sie ihm Mitte 2004, als er im Zug auf einem Handheld-Gerät zeichnete.

Er drehte das Gerät, und die Form war da: nicht die Figur kippen, sondern den Boden. Die PSP hatte links und rechts Schultertasten. Wenn etwas kippen sollte, dann damit.

Der Vorschlag ging trotzdem nicht durch. Anfang 2005 legte er ihn zweimal vor und wurde zweimal abgewiesen. Die Vorgesetzten konnten sich eine Schar selbstständig laufender Wesen nicht vorstellen.

Also baute ein Vierer-Team einen Monat lang einen Prototyp, der nichts konnte außer rollen. Das gab den Ausschlag. Acht Leute brauchten dann drei Monate für Teilen, Verschmelzen und die geschichtete Musik. Sechzehn Leute schlossen die restlichen elf Monate ab.

Der Gesangstext steht in einer Sprache, die es nicht gibt — „LocoRoco-Sprache“, aus verbogenen Katakana gebaut. Kouno erklärte 2017: Da er die Sprache selbst erfunden habe, verstehe sie niemand auf der Welt — und damit sei sie für alle Länder gleich gerecht. Rund sechzig Stücke entstanden.

Kritikerschnitt 83. In Japan in der ersten Woche knapp über 30.000 Stück

In Nordamerika kam es gut an. Der Metacritic-Schnitt liegt bei 83, aus 67 Medien.

IGN gab 9 von 10 und nannte die Steuerung „refreshingly elegant“. Eurogamer gab ebenfalls 9 und sprach von „a truly brilliant realisation of how to take 2D gaming into uncharted territory“. GameSpy gab 3,5 von 5 und meinte, man werde die Melodien wohl den ganzen Tag vor sich hin summen.

Gelobt wurde nicht alles. GameSpot gab 7,7. Außer Rollen und Springen komme nichts Neues, die Level seien wenig fordernd, das Spiel kurz. Diese Einwände gab es von Anfang an.

In Japan vergab die Famitsu-Runde 34 von 40 Punkten.

Die Verkäufe blieben leise. In Japan knapp über 30.000 Stück in der ersten Woche, rund 170.000 im ganzen Jahr. Besser lief es in Europa und Nordamerika.

Die Preise kamen dafür verlässlich. Zwei BAFTA Games Awards, Bestes Kinderspiel und Beste Figur. Zwei Interactive Achievement Awards in den USA, Kinderspiel des Jahres und Auszeichnung für die Originalmusik. Die Associated Press kürte es zum Handheld-Spiel des Jahres 2006.

Der kürzeste und treffendste Satz von damals stammt von der BBC: „LocoRoco is the best game Nintendo never made.“ — das beste Spiel, das Nintendo nie gemacht hat.

Zwanzig Jahre später rollen dieselben Kugeln auf einer PS4

2017 kehrte das Spiel als LocoRoco Remastered auf die PS4 zurück. Im Jahr darauf folgte der Nachfolger als LocoRoco 2 Remastered.Vorschaubild des Trailers zu LocoRoco 2 RemasteredAus dem Vorschaubild von „LocoRoco 2 Remastered - Announce Trailer | PS4“ (PlayStation, YouTube)

Das Video unten ist der offizielle Trailer dieser Neuauflage („LocoRoco Remastered - Launch Trailer | PS4“, PlayStation, YouTube). Zu sehen ist ein zwanzig Jahre altes Bild, das in heutiger Auflösung dahinrollt.

Vom 5. September 2006 bis heute, dem 5. September 2026, sind es genau zwanzig Jahre.

Welches Spiel hat Sie zum ersten Mal denken lassen: „Das steuert sich anders“?

Verschiebt man das Steuerbare von der Figur auf den Boden, entsteht ein Spiel, das kein Steuerkreuz mehr braucht.

Der Vorschlag wurde zweimal abgelehnt. Durchgesetzt hat ihn kein Papier, sondern ein Prototyp, der nur rollen konnte.

2006. Ich schreibe die Jahreszahl auf. Von der nordamerikanischen Veröffentlichung bis heute, dem 5. September 2026, sind es genau zwanzig Jahre.

Welches Spiel hat Sie zum ersten Mal denken lassen: „Das steuert sich anders als alles davor“? Wenn Sie sogar den Erscheinungstag noch wissen, umso schöner.

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