BLOG · 2026-09-23
Dragon Quest I & II (1999) - ein Buch, in dem man uberall speichern kann und das beim Fortsetzen verschwindet
Heute ist Erscheinungstag #64 - 23. September 1999, auf dem Game Boy
Der Tag, an dem ein Rollenspiel von 1986 dreizehn Jahre spater in die Handflache kam
Hallo, hier Toki. Folge 64 von "Heute ist Erscheinungstag". Das heutige Spiel hatte seine grosste Neuerung im Speichersystem.
Enix veroffentlichte Dragon Quest I & II am 23. September 1999 fur den Game Boy. Entwickelt hat es Tose. Heute sind es genau 27 Jahre.
Aus dem Vorschaubild von "[DQ I-II] Dragon Quest GB-Fassung: Ereignisse und Bosskampfe" (KaogeCh, YouTube)
Darin stecken Dragon Quest von 1986 und Dragon Quest II von 1987. Genauer: die Doppelfassung fur das Super Famicom von 1993, noch einmal auf einen Handheld gebracht.
Ein dreizehn Jahre altes Rollenspiel tragbar machen. Was dafur dazukam und was weichen musste - genau das macht diese Umsetzung interessant.
Zwei Spiele auf einem Modul - deshalb bekamen manche Stadte ein Obergeschoss
Ein Game-Boy-Modul fasst weniger als eines fur das Super Famicom, und der Bildschirm ist schmaler. So wie es war, passte das Spiel nicht hinein.
Zuerst der Text. Das Dialogfenster schrumpfte auf zwei Zeilen. Fur dieselbe Szene brauchte man nun mehr Tastendrucke.
Dann die Stadte. Der Game Boy kann nur begrenzt viele Figuren gleichzeitig zeigen. Um die Bewohner zu verteilen, bekamen mehrere Stadte ein Obergeschoss, das es vorher nicht gab.
Auch die Befehle wurden aufgeraumt. Sprechen, Untersuchen und Tur verschwanden aus dem Menu und wanderten auf die B-Taste.
Weglassen, was nicht hineinpasst, und es an anderer Stelle wieder hinzufugen. Eine Umsetzung ist meist das Protokoll dieser Subtraktion und Addition.
Aus dem Vorschaubild von "[GB] Game Boy Dragon Quest I-II [#1 Dragon Quest I]" (Game Funkyu Channel Akatsuki, YouTube)
Das Buch der Unterbrechung - uberall geschrieben, beim Offnen verschwunden
Die grosste Erganzung war das Buch der Unterbrechung.
Das Buch des Abenteuers lasst sich nur vor einem Konig oder einem Priester schreiben. Bei einer Konsole zu Hause reicht das: man schaltet im eigenen Zimmer ab.
Ein Handheld ist anders. Der Zug halt, man hort auf. Jemand ruft, man hort auf. Also gab es ein Buch, das man uberall schreiben kann.
Doch dieses Buch gilt nur einmal. Beim Fortsetzen wird der Unterbrechungsstand geloscht. Wer im Verlies gespeichert hat, beginnt wieder am Eingang.
"Hor auf, wann du willst - nur zuruck an genau die Stelle kommst du nicht." Ein seltsam gewissenhafter Kompromiss, entstanden aus der Bedingung, mitgenommen zu werden.
Rund 740.000 Stuck in Japan, und eine 9,6 im Ausland
Fur Japan sind rund 740.000 ausgelieferte Exemplare verzeichnet - manche Aufstellungen nennen 760.000. Die Super-Famicom-Fassung von 1993 kam auf 1,2 Millionen, zusammen also etwa 1,96 Millionen.
Nach den reinen Zahlen erreicht die Umsetzung die altere Fassung nicht. Andererseits sind es Spiele, die damals schon dreizehn und zwolf Jahre alt waren.
Die Wertungen fielen im Ausland besonders hoch aus. GameSpot gab 9,6, IGN und Nintendo Power je 8, der GameRankings-Schnitt lag bei 82 %.
GameSpot und RPGamer kurten es beide zum Game-Boy-Color-Spiel des Jahres.
Eine Umsetzung, besser bewertet als das Original. So etwas kam in diesem Jahr vor.
Der Tag, an dem die nordamerikanische Fassung das "thou" aufgab - und Erdrick wieder Loto hiess
Dragon Warrior I & II erschien in Nordamerika am 27. September 2000.
Enix hatte seine nordamerikanische Niederlassung Ende 1995 geschlossen. Im Jahr 2000 baute die Firma sie neu auf, und diese Game-Boy-Fassung gehorte zu diesem Neustart.
Auch die Ubersetzung anderte sich. Fruhere Teile der Reihe waren in einem bewusst altertumlichen Englisch voller "thou" und "thy" geschrieben. Diesmal liess man das sein.
Ein Grund war der Bildschirm. Das Fenster des Game Boy ist schmal, der Text musste gekurzt werden. Schmuckende Wendungen fallen zuerst weg.
Auch Namen anderten sich. Der legendare Held hiess statt "Erdrick" nun "Loto", zuruck zur japanischen Lesung. Aus dem Dragonlord wurde "DracoLord".
Uber diese Neuubersetzung wird bis heute gestritten. Klar ist nur die Ursachenkette: Ein schmaler Bildschirm bestimmte, wie das Spiel spricht.
Sechsundzwanzig Jahre spater, 2025, wurden aus zweien wieder eins
Am 30. Oktober 2025 erschien die HD-2D-Fassung von Dragon Quest I & II.
Auch hier sind I und II zusammengefasst. Nach der Super-Famicom-Ausgabe von 1993 und der Game-Boy-Fassung von 1999 reist das Paar zum dritten Mal als ein einziges Spiel.
Das Video unten ist der offizielle finale Trailer von Square Enix. Neben dem zweizeiligen Fenster von 1999 zeigt es, wie viel Bildschirm dieselbe Geschichte am Ende bekam.
Neunzehnhundertneunundneunzig, der Ordnung halber
Der 23. September 1999. Wenn ich die Jahreszahl nicht so festhalte, fuhlt sich ein Text fur mich nie fertig an. Heute, am 23. September 2026, sind es genau 27 Jahre.
Das Grosste, was diese Umsetzung hinzufugte, war weder eine neue Stadt noch ein neuer Gegner, sondern der eine Gedanke: Du darfst uberall aufhoren.
Dafur gilt der Eintrag nur einmal, und ein Verlies schickt dich zuruck an seinen Eingang. Die Bedingung, mitgenommen zu werden, hat die Form des Spielens ein wenig verandert.
Hat ein Spiel Sie schon einmal an den Eingang zuruckgeschickt, weil Sie im Zug ausgeschaltet haben?
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